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Lineare Scans mit VueScan Professional erstellen

Mit VueScan Professional von Hamrick Software lassen sich sehr leicht geeignete Scans erstellen, da VueScan in der Professional Variante über einen speziellen RAW-Ausgabemodus verfügt. Um einen geeigneten Scan zu erzeugen, muss zunächst im Reiter Quelle als Vorlage Farbnegativfilm oder Diafilm gewählt werden. In beiden Fällen bleibt ein Negativ als solches in der linearen RAW-Datei erhalten. Der Unterschied zwischen den Vorlagemodi in Verbindung mit RAW-Dateien ist, dass für Farbnegativfilm die drei Farbkanäle mittels geeigneter Faktoren so skaliert werden, dass in jedem grob der gleiche Wertebereich genutzt wird. Da Photoshop anstelle von 16-Bit tatsächlich nur 15-Bit plus eins verwendet, eine lineare Tiff-Datei aber volle 16-Bit als Wertebereich nutzt, kann diese Skalierung durch VueScan vorteilhaft sein. Wenn Sie nicht die unten beschriebenen weiterführenden Techniken der Belichtungseinstellung bzw. Analogverstärkung nutzen können, wählen Sie hier Farbnegativfilm, sonst Diafilm. Stellen Sie außerdem die gewünschte Farbtiefe von "48 bit RGB", also 16-Bit/Kanal unter "Bits pro Pixel" ein. Die Auflösung des Scans wird ebenfalls auf diesem Reiter spezifiziert. Wenn zwecks Archivierung gescannt wird, empfiehlt sich die maximale vom Scanner unterstützte physikalische Auflösung. Im Beispiel wird ein Nikon Super Coolscan LS-8000 ED verwendet, der mit maximal 4.000 dpi arbeitet. Sofern der Scanner Mehrfachabtastungen unterstützt, kann diese Option zur Maximierung der Qualität eingesetzt werden. In der deutschen VueScan-Version heißt die entsprechende Option "Anzahl der Proben". Ihre Verwendung ist für Negative allgemein vorteilhaft, da die Details der hellen Bildpartien durch die dichtesten Bereiche des Negativs repräsentiert werden, in denen bei einfacher Abtastung oft vermeidbares Rauschen auftritt.

Ausgabe der RAW-Daten als TIFF

Anschließend wird im Reiter Ergebnis die Standard TIFF-Ausgabe deaktiviert und dafür die RAW-Ausgabe aktiviert. Der normale TIFF-Modus würde eine bearbeitete Datei ausgeben, der RAW-Modus erzeugt hingegen eine TIFF-Datei mit linearem Gamma, die exakt die vom CCD des Scanners eingelesenen Lichtintensitäten widerspiegelt und damit ideal für die Weiterverarbeitung mit ColorNeg geeignet ist.
Es ist wichtig, dass die RAW-Dateien als TIFF erzeugt werden und nicht als lineares DNG, da es nicht möglich ist DNG-Dateien mit Photoshop zu öffnen, ohne Adobe Camera RAW zu verwenden, welches das unveränderte Einlesen linearer Daten nicht zulässt. Deaktivieren Sie daher die Option Raw-DNG-Format.
Wenn Sie versehentlich oder in der Vergangenheit solche DNG-Dateien mit VueScan erzeugt haben, ist dies jedoch kein Problem. Sie können diese entweder mit VueScan selbst erneut verarbeiten und dabei eine RAW-Datei im Tiff-Format ausgeben oder große Mengen solcher Dateien einfach mit dem Freeware Kommandozeilen-RAW-Konverter dcraw in lineare TIFF-Dateien umwandeln. Kommandozeilenbefehl: dcraw -T -4 -D *.dng

Entfernung von Staub und Kratzern /
Ausgabe des entsprechenden Alphakanals

Sofern Ihr Scanner über eine Funktion zur Erkennung von Staub und Kratzern verfügt, kann auch der durch die Infrarotabtastung gewonnene Alphakanal mitausgegeben werden. Dazu muss als RAW-Dateityp "64 bit RGBI" gewählt werden. Ein solcher Alphakanal kann später genutzt werden, um gezielt Bildretuschen durchzuführen. Wenn Sie ihn nicht benötigen, verwenden Sie den RAW-Dateityp "48 bit RGB".
Soll die Staub- und Kratzerentfernung bereits in VueScan selbst durchgeführt werden, kann im Reiter Filter unter Infrarot-Reinigung die Stärke der gewünschten Bearbeitung gewählt werden. Um die unter Infrarot-Reinigung spezifizierte Einstellung auch auf einen RAW-Scan anzuwenden, muss im Reiter Ausgabe die Einstellung "RAW-Ausgabe mit" angepasst werden. Die Standardeinstellung hierfür ist "Scan". Sie bewirkt, dass die RAW-Daten bereits während des Scanvorgangs in eine Datei übertragen werden, dabei wird keinerlei Nachbearbeitung durchgeführt, so dass die Einstellungen des Reiters Filter wirkungslos bleiben. Wird hingegen "Sichern" gewählt, wird die RAW-Datei erst zu dem Zeitpunkt erzeugt, an dem der Scan abgeschlossen und die Reinigung erfolgt ist. Dieser Modus ist etwas langsamer, bewirkt jedoch, dass die Infrarot-Reinigung wie gewünscht auf die RAW-Daten angewendet wird, bevor diese gespeichert werden.

Belichtungseinstellung / Analogverstärkung zur Verbesserung der Qualität

Der Detaillierungsgrad des Scans ist von großer Bedeutung für das Ergebnis. Für einige Scanner können daher weitere Einstellungen im Reiter Quelle verfügbar und von Interesse sein. Dies ist der Fall, wenn Ihr Scanner hardwaremäßig variable Belichtungseinstellungen erlaubt. Wenn dem so ist, aktivieren Sie die Option "Belichtung halten" und führen Sie einen Testscan mit einem exemplarischen Negativ durch. Um den Effekt der vorgenommenen Einstellungen in der erzeugten linearen Tiff-Datei beurteilen zu können, wählen Sie als Vorlage Diafilm anstatt wie oben beschrieben Farbnegativfilm, da die Farbkanäle des Scans dann nicht durch die Software skaliert werden und Sie so in der Lage sind, in Photoshop zu bewerten, wie sich Ihre Einstellungen auswirken. Erhöhen Sie die Einstellung Belichtung RGB in weiteren Testscans solange, bis der Rotkanal im Histogramm in Photoshop in etwa die Hälfte bis drei Viertel des Wertebereichs ausfüllt. Manche Scanner erlauben sogar die separate Einstellung der Lichtintensität / Belichtungsdauer für einzelne Farbkanäle, wie z. B. die Modelle der Nikon Coolscan Reihe. Letztere Möglichkeit wird oft Analog Gain oder wie hier Analogverstärkung genannt. Mit diesem Werkzeug können Sie die orangefarbene Maske des Negativs bereits beim Scan reduzieren bzw. ganz eliminieren. In einem typischen linearen Farbnegativscan ist der Blaukanal mehr als 2 Lichtwerte dunkler als der Rotkanal und der Grünkanal oft mehr als 1 Lichtwert. Das Ausgleichen dieser Unterschiede erhöht den Detaillierungsgrad des Scans. In VueScan werden die Analogverstärkungswerte nicht wie sonst üblich in Lichtwerten, sondern als Faktoren angegeben. Führen Sie daher zunächst einen Testscan mit den Faktoren Grün: 2.5 und Blau: 4.0 durch. Dies sollte dazu führen, dass die Farbkanäle in etwa gleich viel Detail enthalten und das Histogramm in Photoshop in seiner Ausdehnung dem hier gezeigten ähnelt. Falls dies nicht gleich der Fall ist, führen Sie weitere Testscans zur Ermittlung geeigneterer Faktoren durch. Es darf rechts im Histogramm für keinen Scan zu tatsächlichem Beschnitt kommen, wenn im Filmhalter ein Spalt neben dem Negativ freigeblieben ist und daraus eine weiße Fläche resultiert ist dies natürlich irrelevant. Die Besetzung des halben Histogramms eines linearen Scans ist prinzipiell völlig ausreichend, da die fehlende Hälfte nur einem Lichtwert entspricht. Die so ermittelten Belichtungswerte können Sie für alle Negative mit ähnlicher orangefarbener Maske verwenden, da der hellste Tonwert in einem Negativ, der hier als Kriterium für die korrekte Belichtung dient, stets die orangefarbene Maske ohne jede Zeichnung ist. Allein Filmmaterial dessen Maske stark von der des Testmaterials abweicht wird andere Einstellungen erfordern.
Für moderne Scanner mit 16-Bit/Kanal ist der zweite Schritt der Anpassung, also die Analogverstärkung für Grün und Blau, in der Regel belanglos für die Negativumwandlung, da auch ohne dies noch immer genug Detail zur Verfügung steht. Wenn Sie die Analogverstärkung nicht nutzen, wählen Sie nach erfolgten Tests wieder Farbnegativfilm als Vorlagentyp. Für ältere Scanner mit 14-Bit/Kanal oder nur 12-Bit/Kanal kann durch Angleichung der Helligkeiten vor der Analog-Digitalwandlung jedoch eine Steigerung der Qualität erzielt werden. Wenn wir davon ausgehen, dass der Blaukanal der am wenigsten detaillierte Teil des Scans ist, können wir feststellen, dass dieser auf das Niveau eines Scans mit 2-Bit/Kanal mehr Präzision angehoben werden kann. Anzumerken ist dabei, dass die Lampenhelligkeit oft gar nicht weiter gesteigert werden kann. Im Fall der Nikon Coolscan Scanner erfolgt dann eine Verlängerung der Belichtungszeit. Es ist denkbar, dass andere Scanner eine elektrische Verstärkung des Signals vornehmen, was nicht den gewünschten Effekt erzielen dürfte. Die Verwendung dieser Optionen bedarf also in jedem Fall einiger Tests.

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